Aktuelle Markteinschätzung zum Krieg im Nahen Osten

Eine intensive Beobachtung der Lage bleibt notwendig.

9. März 2026
3 Minuten Lesezeit
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Kampfhandlungen dauern an

Die USA und Israel haben Ende Februar mit großflächigen Luftangriffen auf Ziele im Iran begonnen. Hierbei wurden auch der geistliche Führer des Irans, Ali Khamenei, und andere Führungsleute getötet. Die Angriffe der USA und Israels richten sich vor allem auf die militärische Infrastruktur Irans, insbesondere Abschussanlagen für ballistische Raketen und Luftabwehr. Es werden jedoch zunehmend nichtmilitärische Ziele und Ölanlagen des Landes ins Visier genommen. Es geht also nicht nur um die Schwächung des militärischen Potenzials, sondern auch um den Wechsel hin zu einer moderaten Regierung. Dieses Ziel hat US-Präsident Trump mittlerweile recht klar formuliert.

Die iranische Führung befindet sich in einem Kampf um den Fortbestand ihrer Herrschaft. Die Ernennung von Mojtaba Khamenei zum neuen geistlichen Führer zeigt, dass die Hardliner auch weiterhin die Richtung bestimmen. Iran führt seine Angriffe auf Israel und die benachbarten arabischen Länder fort, wobei die Mehrzahl der Flugkörper abgefangen wird. Bis auf einzelne Ausnahmen ist es bisher zu keinen nennenswerten Ausfällen bei der Öl- und Gasinfrastruktur im Nahen Osten gekommen. Die Meerenge „Straße von Hormus“, durch die rund 20 % des globalen Ölangebots transportiert werden, ist derzeit allerdings faktisch unpassierbar. Es ist schwer einschätzbar, wie lange der Iran seine Angriffe in der derzeitigen Intensität fortführen kann, doch der Einsatz von Drohnen gibt dem Land offenbar militärisch einige Flexibilität.

Hauptszenario (90 % Eintrittswahrscheinlichkeit): Zetilich begrenzte Bedrohung für den globalen Ölmarkt

Unser Hauptszenario geht davon aus, dass die Angriffe anhalten, dass es den USA jedoch innerhalb von einigen Wochen gelingen wird, einen ausreichenden Schutz für die Schifffahrt durch die Straße von Hormus zu gewährleisten. In diesem Szenario wird es dem Iran weiterhin nicht gelingen, Ölförder- oder -exportanlagen in größerem Umfang zu zerstören. Die Schifffahrt durch die Straße von Hormus normalisiert sich innerhalb von einigen Wochen. Den USA gelingt zwar kein Regimewechsel, der im Iran eine moderate Regierung bringt, doch die militärischen Kapazitäten Irans werden massiv geschwächt.

Negativszenario (10 % Eintrittswahrscheinlichkeit): Länger anhaltende Bedrohung

Im Negativszenario kommt es über einen längeren Zeitraum zu keiner Normalisierung der Schifffahrt durch die Straße von Hormus und/oder es gelingt dem Iran, die Öl- oder Gasförderkapazitäten der arabischen Nachbarn schwer zu beschädigen.

Kapitalmarktreaktionen

Die mit Abstand stärksten Bewegungen an den Finanzmärkten sind bislang am Öl- und am Gasmarkt zu beobachten. Zuletzt hat die Aufwärtsdynamik erheblich zugenommen. Der Preis für Brent erreichte kurzzeitig 120 US-Dollar je Fass. Prozentual noch stärkere Anstiege verzeichnen die Preise an den Gasmärkten. Der europäische Gaspreis hat sich relativ zum Jahresanfangsniveau sogar verdoppelt. Die Entwicklung der Energiepreise steht weiterhin im Einklang mit der Erwartung einer begrenzten und vorübergehenden Unterbrechung der Lieferungen und spiegelt nicht strukturelle oder längerfristige Versorgungsengpässe wider. Diese wären erst dann zu erwarten, wenn die Straße von Hormus für lange Zeit unpassierbar bliebe oder es dem Iran gelänge, gezielt und systematisch weite Teile der Ölinfrastruktur in der Region lahmzulegen.

Die „sicheren Häfen“ Gold, US-Anleihen und Bunds können von der Unsicherheit nicht profitieren. Der Goldpreis ist inzwischen leicht am Fallen, und die Kurse von deutschen und US-Staatsanleihen geben vor allem wegen der aufkommenden Inflationsängste nach.

An den Devisenmärkten ist eine moderate Aufwertung des US Dollar zu beobachten. Der Schweizer Franken erreichte dagegen zum Euro ein neues Rekordhoch.

Die Aktienmärkte reagieren mit deutlichen Gewinnmitnahmen, die vor allem in den Marktbereichen stärker ausgeprägt sind, die zuvor von spürbar steigenden Kursen profitiert hatten. Regional ist das insbesondere in Asien und Europa der Fall. Die US-Märkte können sich bislang besser halten. Hier spielt neben den unterschiedlichen wirtschaftlichen Effekten vor allem die Flucht in Sicherheit sowie eine eher niedrigere Gewichtung zyklischer Unternehmen in den großen Aktienindizes eine Rolle. Je länger die aktuellen Störungen der Logistikketten anhalten, desto nervöser dürften die Aktienmärkten reagieren. Somit ist in den kommenden Tagen mit weiteren hohen Kursausschlägen zu rechnen.

Fazit

Wir gehen weiterhin von einem zeitlich und räumlich begrenzten Militärkonflikt aus, der weltwirtschaftlich kaum dauerhafte Auswirkungen mit sich bringt. Gegenwärtig gibt es wenig Anzeichen dafür, dass sich das Risikoszenario materialisieren würde. Eine Anpassung von Anlagestrategien ist weder strategisch-längerfristig noch taktisch-kurzfristig angeraten. Insbesondere Aktien-Sparpläne sollten fortgeführt werden. Allerdings ist die Risikoeinschätzung des Angriffs auf den Iran angesichts der Dimension des Militäreinsatzes und der generell fragilen Lage im Nahen Osten fortlaufend zu überprüfen. Eine intensive Beobachtung der Lage bleibt notwendig.

Quelle: Chefvolkswirt Dr. Ulrich Kater:

DekaBank, Makro Research

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