USA und Iran einigen sich auf zweiwöchige Waffenruhe.
Die USA und Iran haben sich auf eine zweiwöchige Waffenruhe geeinigt. In dieser Zeit soll ein Friedensplan verhandelt werden, wobei die Positionen bislang weit auseinander liegen.
Iran will Schiffen die Durchfahrt durch die Straße von Hormus gegen die Entrichtung einer Gebühr erlauben. Die zukünftige Kontrolle über die Straße von Hormus dürfte ein Hauptstreitpunkt in den anstehenden Gesprächen sein.
Waffenruhe hält, Energiemarkt normalisiert sich allmählich.
Hauptszenario (75 % Eintrittswahrscheinlichkeit).
Wir behalten unser Hauptszenario eines regional und zeitlich begrenzten Militärkonflikts bei. Die Waffenruhe geht in einen Nachkriegszustand über, in dem die Anzahl von Transporten durch die Straße von Hormus wieder deutlich ansteigt. Wegen der technischen und logistischen Schwierigkeiten bei der Wiederaufnahme von Produktion, Transport und Weiterverarbeitung von Rohöl dauert es allerdings bis in die zweite Jahreshälfte, bis sich das Angebot am globalen Ölmarkt weitgehend normalisiert. Bei Erdgas wird die Rückkehr zur Normalität wegen der teilweisen Zerstörung einer großen Gasverflüssigungsanlage in Katar dagegen noch längere Zeit brauchen. Es dürfte bis ins kommende Jahr dauern, bis die Preise an den Energiemärkten eine nachhaltige Entspannung auf breiter Basis anzeigen. Dementsprechend fallen die Konjunkturprognosen für das Jahr 2026 für die USA, Europa und Asien niedriger, die Inflationsprognosen höher aus als vor dem Konflikt. Die Korrekturen bleiben jedoch moderat.
Scheitern der Friedensgespräche, Wiederaufnahme der kriegerischen Handlungen.
Negativszenario (15 % Eintrittswahrscheinlichkeit).
Im Negativszenario scheitern die Friedensverhandlungen, und es kommt zu neuen kriegerischen Auseinandersetzungen. Die Rohöl- und Erdgaspreise steigen auf neue Höchststände. Es gelingt auch im späteren Jahresverlauf 2026 keine Normalisierung der Schifffahrt durch die Straße von Hormus. Zudem führen größere Militärschläge Irans gegen die Öl- oder Gasförderkapazitäten der arabischen Nachbarn zu einer länger anhaltenden Einschränkung des Angebots von Erdöl, Erdgas und anderen Rohstoffen. In diesem Szenario haben Rohölpreise von deutlich über 150 US-Dollar pro Barrel über einen längeren Zeitraum gravierende konjunkturelle Folgen bis hin zu einer globalen Rezession. Insbesondere die Volkswirtschaften Europas und Asiens wären stark betroffen.
Schnelle Deeskalation.
Positivszenario (10 % Eintrittswahrscheinlichkeit).
Im Positivszenario erholt sich das Angebot an Rohöl, Erdgas und anderen Chemieprodukten aus dem Golf innerhalb kurzer Zeit, so dass es bereits in den nächsten Wochen zu einem Rückgang der Energiepreise auf das Vorkriegsniveau kommt. Die Kosten für die Weltwirtschaft fallen entsprechend geringer aus als im Hauptszenario.
Kapitalmarktreaktionen.
Die Kapitalmärkte haben mit Erleichterung auf die Bekanntgabe der zweiwöchigen Waffenruhe reagiert. Die Hoffnungen sind offensichtlich groß, dass die Straße von Hormus dauerhaft wieder nutzbar ist und der Konflikt weitgehend beigelegt wird. Der Rohölpreis der Sorte Brent fiel nach der Einigung auf die Waffenruhe deutlich unter 100 US-Dollar. Der europäische Erdgaspreis gab moderat nach. Mit den gesunkenen Inflationsrisiken sind die Renditen für Bundesanleihen mit 10-jähriger Laufzeit deutlich zurückgegangen, stärker als die entsprechenden Renditen von US-Staatsanleihen. Zu spürbaren Anstiegen kam es als erste Reaktion auf den Waffenstillstand beim Goldpreis und weltweit an den Aktienmärkten. Der Euro verbuchte gegenüber dem US-Dollar ein deutliches Plus.
Fazit
Die Zeichen stehen nach der Einigung auf die Waffenruhe auf Entspannung. Doch angesichts der fragilen Situation im Nahen Osten ist weiterhin mit hoher Unsicherheit zu rechnen. Insofern gehen wir nach wie vor von überdurchschnittlich hohen Kursschwankungen aus. Anlegerinnen und Anleger sind weiterhin gut beraten, ihre Portfolios breit zu streuen und regelmäßig zu investieren, um potenziellen neuen Schocks möglichst gut begegnen zu können. Aus geopolitischen Ereignissen lassen sich systematisch keine Überrenditen erzielen. Nach dieser Devise haben die meisten Aktionärinnen und Aktionäre in den vergangenen Wochen auch gehandelt.
Aktuelle Markteinschätzung von Dr. Ulrich Kater im Podcast
Mikro trifft Makro - Folge 151: Allzeithoch an der Zapfsäule
Die aktuelle Folge dreht sich um die überraschende Waffenruhe im Iran-Konflikt und deren unmittelbare Auswirkungen auf Ölpreise, Aktienmärkte und die deutsche Wirtschaft. Es wird die Frage aufgeworfen, ob die Märkte zu früh auf Entspannung setzen und wie realistisch eine nachhaltige Rückkehr zur Normalität wirklich ist. Dr. Ulrich Kater und Dirk Huesmann analysieren warum die Euphorie schnell verflogen ist, was das für die Benzinpreise an der Zapfsäule bedeutet und wie sich das auf das Wachstum in Deutschland auswirkt. Außerdem werden die aktuelle Stimmung an den Märkten, die Rolle der Politik sowie die mittelfristigen Aussichten thematisiert.
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Quelle: Chefvolkswirt Dr. Ulrich Kater:
DekaBank, Makro Research
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