Aktuelle Markteinschätzung zum Krieg im Nahen Osten

Eine intensive Beobachtung der Lage bleibt notwendig.

13. April 2026
4 Minuten Lesezeit
Strasse von Hormus Nahostkonflikt

Vorläufiges Scheitern der Friedensgespräche erhöht die Unsicherheit.

Die USA und Iran haben sich am vergangenen Wochenende nicht auf einen Friedensplan geeinigt. Es wurde zunächst kein weiteres Treffen vereinbart, sondern die USA haben ein nach eigener Aussage letztes Verhandlungsangebot hinterlassen, auf das nun Iran reagieren soll. Zudem haben die USA angekündigt, ihrerseits die Schifffahrt durch die Straße von Hormus für Schiffe zu blockieren, die unter iranischer Flagge fahren, einen iranischen Hafen zum Ziel oder als Abfahrtsort haben oder die eine Durchfahrtsgebühr an den Iran entrichtet haben. Die USA machen damit klar, dass für sie eine dauerhafte Kontrolle der Straße von Hormus durch Iran inakzeptabel ist. Die Normalisierung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus verzögert sich dadurch. Gleichzeitig steigt der Druck, die Verhandlungen wieder aufzunehmen.

Friedensverhandlungen werden wieder aufgenommen und sind erfolgreich, Energiemarkt normalisiert sich allmählich.

Hauptszenario (75 % Eintrittswahrscheinlichkeit).

Wir behalten unser Hauptszenario eines regional und zeitlich begrenzten Militärkonflikts bei. Angesichts der fundamentalen ökonomischen Bedeutung der Region Persischer Golf ist der Druck auf die Konfliktparteien enorm hoch, zu Lösungen zu kommen. Die Gespräche zwischen den USA und Iran werden daher wieder aufgenommen und führen innerhalb einiger Wochen zu einer Lösung. Die Anzahl von Transporten durch die Straße von Hormus wird dann wieder deutlich ansteigen. Wegen der technischen und logistischen Schwierigkeiten bei der Wiederaufnahme von Produktion, Transport und Weiterverarbeitung von Rohöl dauert es allerdings bis in die zweite Jahreshälfte 2026, bis sich das Angebot am globalen Ölmarkt weitgehend normalisiert. Bei Erdgas wird die Rückkehr zur Normalität wegen der teilweisen Zerstörung einer großen Gasverflüssigungsanlage in Katar noch längere Zeit brauchen. Es dürfte bis ins kommende Jahr dauern, bis die Preise an den Energiemärkten eine nachhaltige Entspannung auf breiter Basis anzeigen. Dementsprechend fallen die Konjunkturprognosen für das Jahr 2026 für die USA, Europa und Asien niedriger, die Inflationsprognosen höher aus als vor dem Konflikt. Die Korrekturen bleiben jedoch moderat.

Scheitern der Friedensgespräche, Wiederaufnahme der kriegerischen Handlungen.

Negativszenario (15 % Eintrittswahrscheinlichkeit).

Im Negativszenario scheitern die Friedensverhandlungen, und es kommt zu neuen kriegerischen Auseinandersetzungen. Die Rohöl- und Erdgaspreise steigen auf neue Höchststände. Es gelingt auch im späteren Jahresverlauf 2026 keine Normalisierung der Schifffahrt durch die Straße von Hormus. Zudem führen größere Militärschläge Irans gegen die Öl- oder Gasförderkapazitäten der arabischen Nachbarn zu einer länger anhaltenden Einschränkung des Angebots von Erdöl, Erdgas und anderen Rohstoffen. In diesem Szenario haben Rohölpreise von deutlich über 150 US-Dollar pro Barrel über einen längeren Zeitraum gravierende konjunkturelle Folgen bis hin zu einer globalen Rezession. Insbesondere die Volkswirtschaften Europas und Asiens wären stark betroffen.

Schnelle Normalisierung an den Energiemärkten.

Positivszenario (10 % Eintrittswahrscheinlichkeit).

Im Positivszenario erholt sich das Angebot an Rohöl, Erdgas und anderen Chemieprodukten aus dem Golf innerhalb kurzer Zeit, sodass es bereits in den ersten Wochen nach einer Friedenslösung zu einem Rückgang der Energiepreise auf das Vorkriegsniveau kommt. Die Kosten für die Weltwirtschaft fallen entsprechend geringer aus als im Hauptszenario.

Kapitalmarktreaktionen.

Die Kapitalmärkte hatten zunächst mit Erleichterung auf die Bekanntgabe der zweiwöchigen Waffenruhe reagiert. Die jüngste Entwicklung hingegen wurde mit erneuten Verlusten an den Aktienmärkten und einem Anstieg der Ölpreise quittiert, die allerdings vergleichsweise moderat ausfielen. Die Veränderungen beim Wechselkurs des Euro zum US-Dollar und beim Goldpreis waren sogar noch geringer. Offensichtlich rechnen die Marktteilnehmer weiterhin mit einer zwar holprigen, aber schrittweisen Entschärfung des Konflikts.

Fazit

Auch mit der Waffenruhe und den beginnenden Friedensgesprächen bleibt die Situation im Nahen Osten sehr fragil, und die Unsicherheit ist groß. Insofern gehen wir nach wie vor von überdurchschnittlich hohen Kursschwankungen an den Kapitalmärkten aus. Anlegerinnen und Anleger sind weiterhin gut beraten, ihre Portfolios breit zu streuen und regelmäßig zu investieren, um potenziellen neuen Schocks möglichst gut begegnen zu können. Aus geopolitischen Ereignissen lassen sich systematisch keine Überrenditen erzielen. Nach dieser Devise haben die meisten Aktionärinnen und Aktionäre in den vergangenen Wochen auch gehandelt. sind weiterhin gut beraten, ihre Portfolios breit zu streuen und regelmäßig zu investieren, um potenziellen neuen Schocks möglichst gut begegnen zu können. Aus geopolitischen Ereignissen lassen sich systematisch keine Überrenditen erzielen. Nach dieser Devise haben die meisten Aktionärinnen und Aktionäre in den vergangenen Wochen auch gehandelt.

Aktuelle Markteinschätzung von Dr. Ulrich Kater im Podcast

Mikro trifft Makro - Folge 152: Der Jojo-Effekt von Hormus

Die aktuellen geopolitischen Spannungen an der Straße von Hormus stehen im Fokus dieser Ausgabe. Wir analysieren, wie die anhaltende Auseinandersetzung zwischen Iran und den USA zu steigenden Energiepreisen führt und welche Auswirkungen dies auf die internationalen Finanzmärkte sowie die wirtschaftliche Entwicklung insgesamt hat. Auffällig ist dabei, dass die Börsen bislang vergleichsweise stabil bleiben, trotz der erhöhten Volatilität bei Rohstoffen wie Öl. Zudem betrachten wir die politischen Maßnahmen in Deutschland – wie den Tankrabatt und den steuerfreien Krisenbonus – und bewerten deren tatsächlichen Nutzen für die Verbraucherinnen und Verbraucher.
Jetzt reinhören

Quelle: Chefvolkswirt Dr. Ulrich Kater:

DekaBank, Makro Research

Tel. (0 69) 71 47 – 28 49

E-Mail: economics@deka.de

Internet: https://deka.de/deka-gruppe/research

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